Klimaschutz und naiv? Ein Gespräch mit dem Papst und Hirschhausen
Ein Gespräch zwischen Eckart von Hirschhausen und dem Papst wirft Fragen zur Realisierbarkeit von Klimaschutzmaßnahmen auf. Naiv zu glauben, dass Worte alleine ausreichen?
Das Gespräch war so leise, dass ich mir leise die Ohren verstopfen wollte. Als Eckart von Hirschhausen, der für seine charmante Art bekannt ist, mit dem Papst über Klimaschutz sprach, hatte ich das Gefühl, in einem Dokumentarfilm zu sitzen, dessen Handlung mir nicht ganz geheuer war. Teile der Welt retten? Sicher, das klingt nach einem noblen Ziel, doch zwischen dem noblen Duktus der Worte und der rauen Realität scheint oft ein tiefer Abgrund zu klaffen.
Hirschhausen, ein Komiker mit einer Neigung zur Medizin, spricht oft so, wie andere von der neuesten Diät oder dem besten Restaurant schwärmen. In einer Welt, die von Überforderung geprägt ist, könnte man den Eindruck gewinnen, dass es ausreicht, ein paar schöne Worte zu sprechen, um den Klimawandel aufzuhalten. Der Papst, mit seiner unerschütterlichen Gelassenheit, nickt besonnen. Ein Bild, das man gerne rahmen würde, doch der Rahmen wackelt: Ist der Dialog wirklich genug, um die Erde zu retten?
Der Naivitätsfaktor sticht mir wie ein schmerzhafter Zahn ins Gedächtnis. Klar, Worte haben Macht. Sie inspirieren, sie mobilisieren, sie schaffen Gemeinschaft. Aber die kühlen und harten Fakten warten nicht auf die nächste große Rede. Während die beiden Herren in der heiligen Stille ihrer Begegnung vertieft sind, brennt in der Welt das Feuer ungebremst weiter. Die Gletscher schmelzen, Meeresspiegel steigen – und hier diskutiert man über das angemessene Maß der Überzeugungsarbeit. Man fragt sich, ob das wirklich der richtige Ort und die richtige Zeit dafür sind.
Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass ausgerechnet in einem der letzten freien Räume der Religion, dem Vatikans, eine so drängende Frage aufgeworfen wird: Wem nützt es, wenn die Worte zwar gut gemeint, aber letztlich ohne konkrete Taten bleiben? Das mag nach Zynismus klingen, aber wer kann sich schon noch an das letzte große Umweltschutzprojekt erinnern, das aus einer Gebetsermahnungen oder einer meditativen Sitzung hervorging? Ich spinne einen Faden der Erkenntnis, der mir sagen will, dass Gespräche nicht verloren sind, aber ohne Taten – nun ja, das ist ein bisschen wie das Versprechen, weniger Zucker zu essen, während man mit einem Stück Torte in der Hand dasteht.
Die Welt liebt es, die Lücken zwischen großen Ideen und schlichten Realitäten zu ignorieren. Sicher, der Papst hat einen großen Einfluss, und Hirschhausen hat die Fähigkeit, Millionen mit seinen Worten zu erreichen. Doch während sie sich über die Bedeutung von Verantwortung austauschen, wird mir klar, dass es nicht an der schönen Rhetorik scheitert, sondern an der praktischen Umsetzung. Da steht ein Mann in einem weißen Gewand und ein anderer, dessen Lächeln ansteckend ist, und zwischen ihnen steht die drängende Frage, die nie so ganz vernehmbar ist: Wer wird das tun, was gesagt wird?
An diesem Punkt wird die Gesprächskultur zum schärfsten Schwert und ich kann nur hoffen, dass es nicht aus der Mode kommt. Denn wenn das Überleben der Menschheit von einem Dialog abhängt, dann frage ich mich, wie viele Menschen rund um den Globus bereit sind, den ersten Schritt zu machen. Es ist eine bittere Realität, dass es oft der Druck des Alltags ist, der die schönsten Ideen zerdrückt. Irgendwo zwischen dem heiligen Wort und der profanen Welt gibt es mehr als nur eine Kluft – da gibt es einen Ozean.
Aber gut, vielleicht ist das der erste Schritt: das Eingeständnis, dass wir in diesem Ozean schwimmen müssen, um heilige Ufer zu erreichen. Und vielleicht ist das Gespräch mit dem Papst nicht nur ein weiterer schicker Auftritt, sondern der erste Anstoß zu einer Welle, die wir unbedingt brauchen.